Zusammenfassung vom Vortrag „Fascienrollen – Hintergrund und Anwendung“

Hier noch einmal zusammengefasst alle Daten und Fakten die Kirsten euch bei unserem Vortrag zum Thema „Fascienrollen= Fascientraining? – Hintergründe und Anwendung“ erzählt hat für euch zum Nachlesen.
Beginnen wir mit der grundlegenden Frage: „Was sind Fascien überhaupt?“ das lässt sich recht einfach in einem Satz beantworten, dass Fascien bindegewebige Umhüllungen von Muskeln, Sehnen, Bändern… eigentlich allem in unserem Körper, sind. Stellt euch vor, ihr filetiert ein wunderbares Rinderfilet. Das weiße Zeug, was ihr da abschneidet, damit ihr wirklich das schiere rote Muskelfleisch habt, das sind Fascien. Die gibt es von sehr fein und hauchdünn bis ganz breit und dick, je nach Funktion und Körperstelle.
Fascien sind dazu da Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen, Gelenke, Nerven und Gefäße miteinander zu verbinden. Ohne Fascien würden wir auseinanderfallen. Aber sie grenzen auch nebeneinanderliegende Muskeln, Sehnen, Bänder und Organe voneinander ab und machen diese verschiebbar. Das ist schon wichtig, weil sich z.B. eure Organe im Bauch beim nach vorne beugen verschieben müssen, weil es zu eng wird, sie aber auch nicht bis in die Oberschenkel rutschen sollen.
Außerdem ist das Netz aus Fascien das größte Sinnesorgan in unserem Körper. Fascien enthalten ganz viel unterschiedliche Rezeptoren: Rezeptoren zur Schmerzwahrnehmung, Rezeptoren die Bewegungsänderungen wahrnehmen (sonst weiß unser Gehirn nämlich nicht was Gelenk und Muskel XY da unten tun), Druckrezeptoren, chemische Rezeptoren und Rezeptoren die die Temperatur wahrnehmen. Diese Informationen werden dann an das Gehirn weitergeleitet und das kann dann entscheiden, ob alles im grünen Bereich ist und dem Bewegungsziel dient oder lieber ein Warnsignal ausgesendet wird, weil eine Verletzung, Quetschung, Verbrennung etc. droht. Zusammengefasst ist das unsere Körperwahrnehmung. Und Körperwahrnehmung braucht ihr für eine gute Koordination. Wenn das Gehirn keine Info bekommt, wie hoch der Fuß schon ist, kann es passieren, dass man die Treppe hoch fällt und nicht mehr läuft;-)
Fascien speichern Blut und Wasser und einige wichtige Nährstoffe. Wer als Läufer davon spricht, dass er die Speicher auffüllen muss vor einem Wettkampf, der will Wasser und Nährstoffe in den Fascien einlagern, damit Frau oder Mann während des Rennens darauf zurückgreifen kann.
Und weil unser Fasciennetz so stark gefordert wird bei all unseren Bewegungen baut es sich permanent um und passt sich an, z.B. bei Verletzungen oder Überlastungen. Jetzt kann es aber sein, dass eine Verletzung nicht optimal heilt, weil sie sich z.B. entzündet, und dadurch eine verstärkte Kollagenproduktion entsteht. Für die Laien unter euch; Kollagene übersetzt Wikipedia mit Strukturprotein, also das weiße, faserige Zeug in den Fascien. Wenn zu viel „faseriges Zeug“ da ist, kommt es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Und da wir alle nicht gerne gegen einen Wiederstand anarbeiten führt das bei den meisten zu Bewegungsarmut. Die Fascien erstarren und verfilzen, es bilden sich die sogenannten pathologischen Crosslinks, im Volksmund als „Verklebungen“ bekannt, aus. Ist sehr unangenehm und schmerzhaft. Und da unser Körper immer nur das macht, was wir von ihm einfordern, lernen unsere Fascien „still halten ist besser als Gleitverhalten“….und tada…wir haben noch mehr Schmerzen, Bewegen uns noch weniger und so dreht sich der Teufelskreis immer weiter runter in die Bewegungslos-Hölle.
Jetzt kommt das Fascien rolle oder das Fascien Yoga, also alles was unter den Begriff Fascientraining fällt, zu seinem großen Auftritt, denn wenn ihr das anwendet, kommt ihr aus dem Teufelskreis wieder raus. Warum? Weil Fascien rollen folgendes bewirkt: Fascien rollen wirkt sich positiv auf das neuorganisieren der kollagenen Strukturen aus (Verklebungen lösen sich und die Fascie gleitet wieder besser…es tut weniger weh…). Der Druckschmerz beim Rollen bewirkt eine Neuregulierung bei der Schmerzverarbeitung und Facien rollen legt die sogenannten „Wasserbindungsstellen“ wieder frei, die durch wenig Bewegung, schlechte Ernährung, Stress etc. von Radikalen belegt sind. Und das war noch Mal wichtig…richtig…weil ihr u.a. eure Wasserspeicher optimal nutzen wollt bei einem Wettkampf! Zusätzlich erzeugt der Druck beim Rollen eine erhöhte Hyaluronproduktion und das wiederum bindet noch mehr Wasser …größere Wasserspeicher…..yeahh!!!
Kommen wir zu der wichtigen Auskunft, wie oft und wie lange ihr rollen müsst, damit das alles passiert. Das ist natürlich nicht mit 1x5min rollen getan, sondern braucht, wie alles Gute, Zeit! In der einen Studie war eine Rollgeschwindigkeit von 1cm pro Minute angegeben. Das sind in diesem Forschungslabor bestimmt ganz kluge Menschen, alleine schon, weil sie sich mit diesem tollen und spannendem Thema Fascien rollen beschäftigt haben, aber praxistauglich ist das nicht. Lasst euch das kurz auf der Zunge zergehen 1cm/min ist echt langsam….das sind selbst bei meiner recht kurzen Körpergröße nur für die Oberschenkelvorderseite (nachgemessene 41cm)… 41min! Ich mache da für euch die Anweisung „so langsam wie möglich“ draus. Und mit dieser langsamen Rollgeschwindigkeit überrollt ihr jede Muskelgruppe, die gerollt werden muss, 20x von Anfang bis Ende. Das soll heißen, nicht nur die schmerzende Stelle bearbeiten, sondern immer den gesamten Muskelverlauf überrollen. Für die ohne Anatomiekenntnisse unter euch, rollt von einem Gelenk bis zum nächsten, dann könnt ihr nix falsch machen. Bitte überrollt keine Knochenvorsprünge, wie z.B. die Kniescheibe. Wenn ihr einen schmerzhaften Bereich lockern und lösen wollt, macht es Sinn die umliegenden Muskeln und Strukturen ebenfalls zu bearbeiten, weil die meistens irgendwie mit dranhängen. Das macht ihr 3-5x Woche, dann solltet ihr nach 2-3 Wochen eine deutliche Verbesserung erzielt haben.
Rollen fühlt sich manchmal nicht so richtig nett an. Deshalb kommen wir jetzt noch mal zu der Frage, wann darf ich rollen und wann nicht? Wer ein gutes Körpergefühl hat, merkt das meistens so. Wenn der Schmerz beim Rollen aushaltbar ist, dann ist das Rollen ok, wenn euer Schmerz auf einer Schmerzskala (1= kein Schmerz, 10= maximaler Schmerz) einen Wert von 8,9 oder 10 erreicht, solltet ihr es zumindest an dieser Schmerzstelle lieber lassen.
Wann ihr auf keinen Fall eure Muskeln mit der Fascienrolle bearbeiten dürft, die sogenannten Kontraindikationen, sind Krampfadern, Einnahme von Blutverdünnern, Osteoporose, Schwangerschaft, offene oder frische Wunden und Tumore. Solltet ihr eines oder mehrere dieser Dinge haben, sprecht bitte mit eurem Arzt, ob Fascien rollen gut oder schlecht für euch ist.

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